Freitag, 28. Oktober 2016

[Babystuff] Schief gewickelt? - Unsere Erfahrungen mit Stoffwindeln

Wenn man ein Baby hat, ist das anfangs ja noch nicht "stubenrein". Sofern man mit dem Kind nicht "windelfrei" praktiziert, benötigt man deshalb Windeln. Heutzutage in unserem Kulturkreis sind das im Normalfall Wegwerfwindeln - Pampers oder Eigenmarken diverser Drogerien und Supermärkte.
So war das bei uns auch. Anfangs wickelten wir nur mit Pampers, später kamen die Windeln von dm, Rossmann und Aldi dazu. Noch vor wenigen Monaten hätte ich jedem einen Vogel gezeigt, der mir gesagt hätte, dass ich mein Baby irgendwann mit Stoff wickeln würde - ich hatte das nicht mal ansatzweise in Betracht gezogen. So alternativ und Öko muss man erst mal sein, dachte ich, und sich den ganzen Dreck antun!

Wieso bin ich auf Stoffwindeln umgestiegen?

Vor knapp drei Monaten stieß ich auf die Anzeige eines Onlineshops für Stoffwindeln. Angefixt von den süßen Designs fing ich an, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen und bestellte kurzerhand ein paar Windeln in der Hoffnung, dass das die Lösung für unser "Nachtproblem" sein könnte. Weil das Käuzchen nachts extrem viel trinkt, hatten wir nämlich von Anfang an oft nasse Betten oder ein nasses Kind und im Gegensatz zu Wegwerfwindeln kann man Stoffwindeln den Bedürfnissen des Kindes anpassen und die Saugfähigkeit erhöhen (dazu aber an anderer Stelle mehr). Neugierig begann ich die Stoffwickelei auszuprobieren und kurz darauf bestellte ich ein paar Windeln verschiedener Systeme gebraucht, da die meisten neu nicht supergünstig sind, um auch tagsüber mit Stoff zu wickeln. Es gab ein paar Systeme, die mich sofort ansprachen, z.B. die Pop Ins von Close (nicht zuletzt wegen der Designs), GDiapers oder All in Ones von Totsbots. Die probierte ich als erstes aus, war begeistert und bestellte mir mehr.





Welche Vorteile haben Stoffwindeln für mich?

Der finanzielle Aspekt wird von den meisten ja als Hauptgrund genannt, warum sie mit Stoffwindeln und nicht mit konventionellen Windeln wickeln. Aber ganz ehrlich, die Beträge, die angeblich für Wegwerfwindeln ausgegeben werden, finde ich utopisch (etwa 1.500 € über den gesamten Wickelzeitraum). Die Erstausstattung an Stoffwindeln hat ungefähr das gekostet, was wir in den ersten zwei Jahren für Pampers & Co ausgeben würden. Aber seien wir realistisch, mit zwei Jahren sind die wenigsten Kinder komplett trocken, sodass ich noch weiter Windeln kaufen müsste.
Trotzdem eine ganze Menge Geld auf einen Schlag, allerdings kann ich die Windeln noch für Kind Nr. 2 nutzen bzw. weiter verkaufen, wenn ich kein Wickelkind mehr habe. Versuch das mal mit Wegwerfwindeln! ;-) Ganz davon abgesehen gibt es auch wesentlich günstigere Systeme als die, die wir verwenden, und dann kann man auf jeden Fall eine Menge sparen.

Der Hauptgrund für mich, auf Stoffys umzusteigen, nachdem ich bei meinen anfänglichen Versuchen feststellte, dass das für die nächsten Monate bzw. Jahre für mich funktionieren kann, war der ökologische Aspekt. Ungefähr eine Tonne Windelmüll, der Jahrhunderte zum Verrotten braucht, produziert ein Kind bis zum Trocken werden. Das finde ich wahnsinnig; natürlich verbraucht man Wasser, um Stoffys zu waschen und die Windeln müssen ja auch erst mal produziert werden, allerdings kann man Wasser klären und wieder verwenden und im Gegensatz zu Wegwerfwindeln werden Stoffys nicht nach einem Mal Tragen in den Müll geworfen, sodass sich der Produktionsaufwand relativiert.
Stoffwindeln sehen außerdem wesentlich besser aus und bei den vielen Systemen gibt es für jedes Kind das richtige.
Bei empfindlicher Babyhaut schwören auch viele Mütter auf Stoff, aber das Problem haben wir nicht oft- hatten wir mit Wegwerfwindeln allerdings auch nicht.
Was mir erst aufgefallen ist, als ich eine Weile mit Stoff gewickelt habe: es riecht weniger - sowohl während des Tragens als auch nach der Benutzung.
Nach einem großen Geschäft verbreiten sich in einer Wegwerfwindel sofort nicht gerade die leckersten Düfte im ganzen Raum. Wenn man nicht mitbekommen hat, dass das Kind gerade etwas erledigt hat, muss man hingegen an einer Stoffwindel riechen, um herauszufinden, ob etwas darin ist. Auch der Uringeruch, der sich bei meinem Kind mit allen Wegwerfwindeln recht schnell eingestellt hat (obwohl ich ihn natürlich täglich gewaschen habe) ist bei Stoffys einfach nicht existent - mein Baby riecht nach gar nichts (außer nach Kind eben), auch nicht beim Wickeln.
Einen stinkenden Windeleimer haben wir ebenfalls nicht mehr. Die nassen Windeln lagern in einer Nasstasche und hier riecht es nur ein bisschen nach Pipi, wenn ich direkt daneben stehe, nicht zu vergleichen mit gebrauchten Wegwerfwindeln!

Ich finde auch, dass sich die Windeln leichter anlegen lassen, weil die Seiten wegen des Stoffes fester sind und nicht so schnell wegklappen.

Viele behaupten auch, dass Stoffybabys schneller trocken werden, weil sie sich ihrer Ausscheidungen eher bewusst werden als bei Wegwerfwindeln. Ob das so ist, weiß ich nicht, aber es wäre mir natürlich recht, wenn das hier so wäre.


Und welche Windeln nutzen wir jetzt?

Es gibt heutzutage einige verschiedene Stoffwindelsysteme und wir nutzen fast alle. Je nach Tagesform und -zeit und abhängig davon, was wir vorhaben, trägt der Knirps PUL-Überhosen von Milovia mit Saugeinlagen (Prefolds, Bambuseinlagen, Mullwindeln oder IKEA-Waschlappen), All in Ones von Bambino Mio und Totsbots, Pockets von Little Bloom, Snap in Twos von Close Pop In und All in Threes von GDiapers. Nachts kommen Höschenwindeln von Petit Lulu, Anavy und Totsbots mit Wollschlupfüberhosen von Disana zum Einsatz.
Wenn der Kleine erwartungsgemäß sein großes Geschäft in der nächsten Windel erledigen wird, ziehe ich ihm eher eine All in One von Totsbots an, weil es hier leichter rausgeht, wenn was daneben geht. Zum Toben eher eine GDiaper, weil die nicht so wuchtig und er etwas wendiger ist.
Sind wir unterwegs oder soll er ein Nickerchen halten, wird es eher eine gepimpte Pop In oder All In One bzw. Pocket, weil da viel Saugmaterial rein kann und ich nicht zwingend nach zwei Stunden wickeln muss.

Macht die Stoffwickelei mehr Arbeit?

Auch, wenn es viele begeisterte NutzerInnen von Stoffys klein reden: Ja, es macht mehr Arbeit. Ich wasche ungefähr zwei Maschinen Wäsche pro Woche mehr - alle drei Tage ist Windelwäsche fällig.
Die muss aufgehangen und abgenommen (dauert bei den vielen Kleinteilen auch etwas länger) und, je nach System, wieder "zusammen gebaut" werden. Außerdem wird mein Kind jetzt etwas öfter gewickelt, weil der Stoff nicht so saugfähig ist wie eine Wegwerfwindel (es sei denn, man stopft extrem viel Saugmaterial hinein, was den Windelpo aber sehr dick macht).
Allerdings stört mich das (noch) nicht - Wäsche waschen und aufhängen ist meine liebste Tätigkeit im Haushalt, das Zusammenpuzzlen erledige ich abends beim Fernsehen und das häufigere Wickeln schadet dem Kind ja nicht, im Gegenteil.



Weitermachen oder Bleiben lassen? 

Inzwischen wickle ich seit knapp zwei Monaten (fast) ausschließlich mit Stoff und bereue es ein bisschen, damit neun Monate gewartet zu haben. Es macht mehr Spaß, stinkt weniger und ist besser für die Umwelt. Nachdem ich schon Diana angefixt habe und sie jetzt auch umsteigen will, werde ich wohl versuchen, die werdenden Mamas in meinem Freundeskreis zu "missionieren" (oder sie wenigstens auf das Thema aufmerksam zu machen), denn ich finde es lohnenswert, aber viel zu wenig präsent, um sich damit zu beschäftigen, wenn man nicht gezielt danach sucht.

Was haltet ihr von der Stoffwickelei? Findet ihr das furchtbar aufwendig, altmodisch oder überraschend modern? Würde das für euch auch in Frage kommen?


Kommentare:

  1. Es gibt soviele Dinge bei denen ich mir mittlerweile denke, "ach hätte ich das doch früher gewusst". Mein Sohnemann ist mittlerweile trocken, aber sollte irgendwann ein Geschwisterchen nachkommen würde ich auf jeden Fall Stoffwindeln probieren! Wahnsinn, wie viele verschiedene Anbieter und Möglichkeiten es da gibt. Wäschewaschen mache ich auch am liebsten, das würde mich nicht stören und wenn sich der Gestank tatsächlich etwas minimiert ist es das schon wert :D Vom Umweltaspekt her natürlich sowieso! Wenn man gebraucht kauft und evt auch weiterverkauft kann man bestimmt auch eine Menge sparen! Danke fürs berichten, irgendwann wird das Thema bestimmt wieder aktuell hier :D
    Liebe Grüße

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    1. Gern :-)
      Ja, ich bin auch immer wieder überrascht, von wie vielen Dingen man noch nie was gehört hat und die einem etwas eher durchaus genützt hätten. Schön, wenn der Beitrag für dich hilfreich war!

      LG, OktoberKind :-)

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  2. Stoffys sind toll. Während der Schwangerschaft hab ich einen kurzen viel zu oberflächlichen Exkurs im die Stoffwindeln gemacht und fand die Anschaffungskosten einfach nur riesig,damit hatte sich das erledigt. Als mein Wurm nun 18 Monate alt war und wir vorher auf Stoffys erneut gestoten sind und ich mich eingearbeitet habe, sind wir umgestiegen. Ich liebe es!!! Und Nr.2 wird aufjedenfall schon viel früher mit Stoffys gewickelt. Ich hätte es gerne schon früher gekannt, dann wären uns einige Pilze erspart geblieben!
    Vielen Dank, für deinen Bericht

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    1. Lieben Dank <3
      Mich haben die Kosten anfangs auch abgeschreckt, aber wenn man sich die Sammlung nach und nach zusammen stellt (was ich eh empfehlenswerter finde, als sich gleich ein Komplettpaket zu kaufen - man weiß ja gar nicht, ob man mit dem System oder Stoffys an sich zurecht kommt, und so teilen sich die Kosten über einen gewissen Zeitraum), geht es doch, finde ich.

      LG, OktoberKind :-)

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  3. Auch wenn ich jetzt bestimmt auf Unverständnis setze aber bei uns kommen keine Stoffwindeln ins Haus. Das die Wegwerfwindeln so riechen sollen, damit haben wir keine Probleme. Ich hab ohne Stoffwindeln schon zwei Maschinen in der Woche zu waschen. Wenn die Stoffwindeln noch hinzukommen würden, würden es bestimmt 3 Maschinen werden. Dazu hab ich keine Muse und Lust. Ich bleibe bei meinen Wegwerfwindeln. Danke aber für den Einblick in die Thematik. Viele Grüße

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    1. Ach quatsch, das ist eben deine Meinung und vollkommen ok! Das ist nicht für jeden was und ich bin auch die einzige Mama in meinem Bekanntenkreis, die sich das "antut".

      Ich wasche ohne Stoffys schon 4-5 Maschinen pro Woche, aber das stört mich nicht. Je nach verwendetem System hat man einfach 1-2 Maschinen mehr, da gibt es auch nichts schön zu reden. Da für mich die Vorteile aber überwiegen und ich wie gesagt gern "Waschtag" habe, nehme ich das klaglos in Kauf.

      LG, OktoberKind :-)

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